15. Dezember 2025 | Heinz W. Süess

Die Vier-Tage-Woche wird inzwischen in vielen Ländern und Unternehmen getestet; die meisten Pilotprojekte zeigen bessere Gesundheit, höhere Zufriedenheit und in vielen Fällen stabile oder sogar leicht steigende Produktivität, gleichzeitig aber auch organisatorische Herausforderungen und teils höhere Belastung an den Arbeitstagen.

Wo gibt es die Vier-Tage-Woche schon?

  • In mehreren europäischen Ländern (u. a. Grossbritannien, Deutschland, Belgien, Spanien, Island) wurden oder werden nationale Pilotprojekte mit hunderten Unternehmen durchgeführt.
  • In der Schweiz startet eine erste grössere Pilotstudie mit Unterstützung von 4 Day Week Global, der Berner Fachhochschule und Partnern; parallel haben einzelne Schweizer Firmen – etwa Agenturen oder IT-Dienstleister – das Modell bereits eigenständig eingeführt.
  • Besonders verbreitet sind Tests in Dienstleistungsbranchen, IT, Marketing und Gesundheitswesen; in der Produktion und Schichtarbeit ist die Umsetzung deutlich komplexer.

Welche Modelle gibt es?

  • “Echte” Vier-Tage-Woche mit weniger Stunden (z. B. rund 32–35 Wochenstunden bei vollem Lohn), die auf Produktivität statt Präsenzzeit setzt.
  • Komprimierte Woche mit vier längeren Arbeitstagen, bei der die Gesamtstundenzahl ungefähr gleich bleibt, was rechtliche Arbeitszeitgrenzen und Erschöpfung stärker in den Fokus rückt.
  • Hybride oder flexible Modelle, bei denen Teams oder einzelne Mitarbeitende zwischen Vier- und Fünftage-Woche wählen oder freie Tage rotieren, um Erreichbarkeit und Servicezeiten sicherzustellen.

Welche Erfahrungen machen Unternehmen?

  • Viele Pilotprojekte berichten stabile oder leicht bessere Umsätze und Produktivität, obwohl die durchschnittliche Arbeitszeit um mehrere Stunden pro Woche reduziert wurde.
  • Unternehmen melden häufig weniger Krankheitstage, geringere Fluktuation und deutlich mehr Bewerbungen, weil das Modell als attraktiver Wettbewerbsvorteil im Fachkräftemangel wirkt.
  • Gleichzeitig zeigt sich, dass es kein Einheitsmodell gibt: Je nach Branche, Kundenerwartung und Teamstruktur muss das Konzept intensiv auf Prozesse, Erreichbarkeit und Personalplanung zugeschnitten werden.

Länder mit grösseren Studien und ensprechend Erfahrungen

Vorteile für Mitarbeitende

  • Bessere Work-Life-Balance: Ein zusätzlicher freier Tag schafft mehr Zeit für Familie, Erholung, Hobbys und private Termine, was vor allem Eltern und Pflegeverantwortlichen zugutekommt.
  • Gesundheit und Wohlbefinden: Studien berichten von weniger Stress, besserem Schlaf und geringeren Krankheitstagen, wenn Arbeitszeit wirklich reduziert wird.
  • Höhere Zufriedenheit und Motivation: Mehr Autonomie über die eigene Zeit und das Gefühl, in einem modernen, mitarbeiterorientierten Unternehmen zu arbeiten, steigern Bindung und Engagement.

Vorteile für Unternehmen

  • Produktivität und Effizienz: Viele Tests zeigen, dass Teams in kürzerer Zeit die gleiche oder mehr Leistung erbringen, weil Arbeit fokussierter organisiert wird und unnötige Meetings oder Leerzeiten reduziert werden.[
  • Attraktivität als Arbeitgeber: Vier-Tage-Modelle wirken stark im Employer Branding und erleichtern Rekrutierung und Bindung von Fachkräften.
  • Weniger Ausfälle und Fluktuation: Bessere Gesundheit und Zufriedenheit schlagen sich in geringeren krankheitsbedingten Abwesenheiten und stabileren Teams nieder.

Nachteile und Risiken

  • Verdichtung der Arbeit: Wenn das gleiche Pensum auf vier Tage verteilt wird, verlängern sich Arbeitstage und der Leistungsdruck steigt, was zu Erschöpfung oder Qualitätsrisiken führen kann.
  • Organisatorische Komplexität: Dienstplanung, Erreichbarkeit, Kundensupport und Teamkoordination werden anspruchsvoller, vor allem in Schichtbetrieben, Produktion oder bei stark kundengebundenen Prozessen.
  • Finanzielle und strukturelle Fragen: Je nach Modell kann es zu Lohnreduktion, veränderten Urlaubsansprüchen und Mehrkosten durch zusätzliche Stellen kommen; zudem warnen Wirtschaftsverbände vor möglicher Verstärkung des Fachkräftemangels, wenn flächendeckend Arbeitszeit reduziert wird.

 

Quellen:

  1. https://www.spendit.de/magazin/4-tage-woche/
  2. https://www.4dayweek.com/news-posts/schweiz-53lhk
  3. https://www.bfh.ch/de/aktuell/medienmitteilungen/2024/4-tages-woche/
  4. https://www.tagesschau.de/wirtschaft/vier-tage-woche-pilotprojekt-zwischenbericht-100.html
  5. https://www.tagesschau.de/wissen/gesundheit/viertagewoche-gesundheit-100.html
  6. https://www.jobs.ch/de/job-coach/wunschdenken-oder-realitaet-die-wahrheit-hinter-der-vier-tage-woche/
  7. https://www.medi-karriere.ch/magazin/4-tage-woche-in-der-pflege/
  8. https://www.kmu.admin.ch/kmu/de/home/aktuell/interviews/2024/die-4-tage-woche-hat-unsere-attraktivitaet-gesteigert.html
  9. https://news.kununu.com/4-tage-woche-vorteile-nachteile/
  10. https://www.kursfinder.de/ratgeber/vier-tage-woche-23031
  11. https://www.kfmv.ch/ueber-uns/aktuelles/blog/vier-tage-woche-ein-arbeitsmodell-der-zukunft-teil-1
  12. https://www.economiesuisse.ch/de/artikel/ist-die-4-tage-woche-ein-wundermittel
  13. https://www.bpb.de/themen/wirtschaft/wirtschaftspolitik/556973/mehr-freie-zeit-ist-eine-form-von-wohlstand/
  14. https://www.thealternativeboard.biz/blog/die-4-tage-woche-fluch-oder-segen-fuer-die-moderne-arbeitswelt/
  15. https://www.cbs.de/blog/4-tage-woche-vor-und-nachteile
  16. https://business-beat.com/academy/blog/die-4-tage-woche/
  17. https://www.tagesanzeiger.ch/viertagewoche-in-der-schweiz-firmen-ueber-erfolge-probleme-956594788837
  18. https://www.bexio.com/de-CH/blog/view/4-tage-woche
  19. https://www.speexx.com/de/speexx-blog/4-tage-woche-eine-realistische-alternative/
  20. https://fau.ch/viertagewoche/

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